Nicht nur in sozialen Medien, auch in der Suchmaschine – wir leben in Filterblasen. Werbung? Maßgeschneidert. Google Feed (Discovery)? Personalisiert! Wer sich im Internet bewegt, der bewegt sich in Filterblasen – schlimmer als sonst in der Welt? It depends Das ist OK, solange man sich dessen bewusst ist. Und wer glaubt, dass dieses Phänomen bei DuckDuckGo nicht auftritt, der irrt!
Dank Google-Filter auf Platz 1?
Wie ich im Beitrag darüber, wie Google funktioniert, bereits angeschnitten habe, filtert Google Suchergebnisse. Jeder bekommt für sich persönlich maßgeschneiderte Suchergebnisseiten (SERPs) mit dem Ziel, die Zufriedenheit der Suchenden mit dem für ihn gefilterten Ergebnis zu erhöhen!
Solche Filter verwendet nicht nur Google, sondern zum Beispiel auch viele andere Suchmaschinen oder auch Facebook! Das Video (unten) „Beware Online Filter Bubbles“ ist zu dem Thema Filterblasen ein Must-Watch. Aber erstmal weiter.
Bist du ein Webmaster? Dann kennst du das vielleicht: Du suchst dich und findest dich weit oben. Freunde suchen dich, da ist es nicht so! Warum? Du bist so oft auf deiner Website, du suchst so oft nach deinen Keywords und klickst deine Seite an. Du findest dich schnell auf Seite 1 bei Google, irgendwann auf Platz 1, aber damit vielleicht allein. Keiner sieht das wie du! Grund dafür sind diese Google-Filter.
Google glaubt (berechtigterweise), dass du dieser (deiner) Webseite vertraust. Dann wirst du zufrieden sein, wenn du sie zu entsprechenden Themen auch findest. Und das bist du ja auch. Klar, wärst du es noch mehr, wenn andere sie jetzt auch finden würden.
Welche Google-Filter gibt es?
Natürlich filtert Google Suchergebnisse nach Orten. Wenn ich in Berlin stehe und mein Auto einen Ölwechsel braucht, dann suche ich mit Sicherheit keine Werkstatt in München. Vermutlich wäre mir der Bezirk Pankow zu weit weg, wenn ich in Spandau bin. Demnach ist es auch gar nicht nötig, nach KFZ-Werkstatt Berlin zu suchen? Richtig! Das erledigt Google. Aber wenn man in München ist und am Abend sein Auto in Berlin in eine Werkstatt bringen möchte, dann ist diese Frage berechtigt.
Wenn man lokal oder regional gefunden werden möchte, dann gibt es übrigens eine spezielle Art der Suchmaschinenoptimierung: Local SEO.
Neben dem Ort wird auch mein Verhalten im Internet eine Rolle spielen. Wenn ich also viele Kleinigkeiten z.B. bei ATU kaufe und daher öfter auf deren Webseite bin, dann wird bei der Suche nach Kfz-Ersatzteilen die Webseite von ATU wohl weiter oben sein, als sie es normal wäre. Generell stehen alle Seiten die man häufig besucht immer weit oben bei den passenden Suchanfragen.
Das sind ziemlich verständliche Filter, aber wie ist es hiermit? Wer nutzt denn eigentlich Gmail? Wer per Gmail schon einmal mit einer anderen Gmail-Adresse kommuniziert hat, der hat gute Chancen, Seiten des Gegenübers weiter oben zu sehen. Dafür ist aber Kommunikation nötig, bloßes E-Mail-Empfangen reicht natürlich nicht.
Wie viele Filter verwendet Google?
Insgesamt gibt es über 200 Filter (offiziell), welche die Google-Suchergebnisse verändern, wenn du eine normale Suche bei Google tätigst. Meiner Meinung nach gibt es deutlich mehr. Im Inkognito-Modus deutlich weniger, aber noch immer nicht null, über 50 Filter.
Du selbst kannst zusätzliche Filter verwenden, wie Sprache oder Zeit, an dem das Ergebnis veröffentlicht wurde. Auch kannst du Google-Suchoperatoren und Parameter verwenden, die ebenfalls ein Ergebnis filtern.
Warum gibt es diese Google-Filter, welche Vorteile haben sie?
Google verspricht sich davon mit Sicherheit, die Zufriedenheit mit den Suchergebnissen zu steigern. Ja, natürlich auch bessere, personalisierte Werbung. Aber hey – personalisierte für dich interessante Werbung ist vielleicht besser als Feuerwerk an uninteressanter Werbung?
Nur wer mit der Suchmaschine zufrieden ist, kommt wieder. Wer wiederkommt, der kann auch die Werbung sehen. Nur wer die Werbung sieht, der kann sie anklicken und so bekommt Google Geld. Die Erhöhung der Qualität der Suchergebnisse und damit das Steigern der Zufriedenheit der Nutzer ist Googles oberstes Ziel und demnach gibt es Filter genau deswegen.
Welche Nachteile haben Google-Filter?
Abgesehen davon, dass Google personalisierte Daten speichert und Nutzerprofile generiert, ist das (meiner Meinung nach) größte Problem mit den Suchfiltern einfach die Tatsache, dass es niemandem direkt gesagt wird.
Dass nach dem Ort gefiltert wird, mag man sich denken können. Auch dass vielbesuchte Webseiten weiter oben auftauchen, mögen viele Leute vermuten. Aber dass es über 200 Filter gibt, die mein Suchergebnis beeinflussen, das mag doch wirklich niemand vermuten! Das Suchergebnis von meinem Nachbarn kann ein völlig anderes sein als meins. Das sollte man als SEO jedenfalls wissen!
Allerdings stelle ich mir die Frage: Würde jemand lesen, dass es die Filter gibt, wenn Google es auf der Startseite andeuten würde, wie das Thema Cookies auf Websites und Datenschutzerklärungen? Mal ehrlich: Wer hat den Beitrag zu Googles Cookieverwendung gelesen (der aktuell und schon seit einiger Zeit und immer mal wieder neu auftaucht) und nicht einfach OK“ geklickt oder ohne Beachtung einfach weitergesucht? Wer hat meine Cookie-Warnung gelesen? Würden wir Filterwarnungen nicht auch nur ignorieren?
Gibt es Suchmaschinen ohne Filter?
In der Theorie ja, praktisch eher nein.
In der Theorie personalisiert und filtert DuckDuckGo nicht. Auch werben sie aktiv gegen Facebook und Google. Auch mal in sozialen Netzen, und das geht dann schon mal nach hinten los.
This week DuckDuckGo claimed Google had a filter bubble problem, because sometimes results were slightly different. Using its method, these screenshots of the same search on DuckDuckGo in normal and private browsing modes would mean it has the same filter bubble issue…
Zu Deutsch: Danny Sullivan von Google reagiert auf DDGs Filterblasen-Attacke wie folgt:
Diese Woche behauptete DuckDuckGo, Google habe ein Problem mit den Filterblasen, da die Ergebnisse manchmal leicht voneinander abweichen. Mit seiner Methode würden diese Screenshots der gleichen Suche auf DuckDuckGo im normalen und privaten Browsermodus bedeuten, dass es das gleiche Problem mit der Filterblase gibt …
Mit anderen Worten, 100 % ungefiltert? Eher nein. Aber wie gesagt, diese Filter verbessern das Suchergebnis. Du solltest dir nur des Filters im Internet bewusst werden. (P. S. – Überall hast du Filter, du lebst in einer Filterblase. Schon vor dem Internet war das so. Dein Land, deine Partei, deine Stadt, dein Dorf oder dein Kegelverein – sehr oft bekommst du gefilterte Informationen, meist personalisiert für dich, von Gleichgesinnten.
Hier noch der Link zur DDG-Google-Battle bei Twitter und auf das du mehr über Filter lernst und dich sensibilisierst, Eli Pariser und sein Filterblasen-TED-Talk.
Dazu das Video: Beware Online Filter Bubbles (Eli Pariser)
Das Ganze nennt sich übrigens personalisierte Suche. Heute gehen viele (ich eingeschlossen) einen kleinen Schritt weiter. Die SERPs, die wir heute sehen können, sind oft schon private SERPs. Suchergebnisseiten, die außer uns niemand genau so sieht.




